Mittwoch, 26. Juli 2006

Qualifizierung darf nicht am Geld scheitern

Arbeitgeber fordern Bund und Arbeitsgemeinschaften auf, Mittel bei Hartz IV umzuschichten, um Arbeitslosen Kurse zu ermöglichen. Der aus der Finanznot vielerorts geborene Stillstand bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen hat die Unternehmen in Deutschland bisher noch nicht aufgeschreckt. "Die Arbeitgeber rennen uns damit nicht die Türen ein", heißt es aus den Verbänden.

Zum vollständigen Artikel in der Frankfurter Rundschau.

GEW und BBB warnen vor weiterem Qualitätsverlust bei Integrationskursen

Frankfurt a.M./Hamburg - Vor einem weiteren Qualitätsverlust bei den Integrationskursen haben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V. (BBB) gewarnt. „Es gibt dringenden Handlungsbedarf: Das Angebot muss besser und bedarfsgerechter werden“, sagten die Berufsbildungsexpertin der GEW, Stephanie Odenwald, und BBB-Sprecher Peter Rother mit Blick auf den am Freitag stattfindenden Integrationsgipfel. Sie kritisierten erneut, dass der Haushalt für die Integrationskurse von 208 auf 141 Millionen Euro gekürzt worden sei: „Das ist für alle einwanderungswilligen Menschen das falsche Signal.“

Die mit dieser Kürzung einhergehende Verschlechterung der ohnehin nicht ausreichenden Qualität der Kurse verprelle die Lernwilligen. „Viele Träger erwägen, sich zurück zu ziehen. Angesichts eines Satzes von 2,05 Euro je Teilnehmer und Stunde können die Träger ihre Kosten nicht decken“, sagte Rother. Odenwald wies darauf hin, dass hochqualifizierte und engagierte Lehrkräfte sich andere Aufgabenfelder suchten: „Den Dozenten
reichen elf Euro Stundenlohn, die häufig nur gezahlt werden können, nicht zum Leben - zumal sie von diesem Geld alle Sozialabgaben ohne Arbeitgeberzuschuss finanzieren müssen.“

GEW und BBB stellten die erschreckenden Folgen für Träger, Lehrkräfte und Migranten dar. „Die Kurse sind überfüllt, oft lernen bis zu 25 Teilnehmer zusammen - unabhängig davon, welche Bildungsvoraussetzungen und welchen kulturellen Hintergrund sie mitbringen. Analphabeten bleiben auf der Strecke“, sagten Odenwald und Rother. Eine sozialpädagogische Begleitung
der Teilnehmer gebe es nicht. Fahrtkosten und Lehrmittel würden nicht finanziert. „Auch an den Unterrichtsstunden spart der Staat: 630 Stunden werden jetzt veranschlagt, ursprünglich
waren 1000 geplant“, betonten die Sprecher.

Info: 2005 besuchten von 215.000 Berechtigten nur gut 125.000 einen Integrationskurs. Davon bestanden nach Angaben des Deutschen Bundestages bis Dezember 2005 nur ca. 8.600 Zuwanderer die Prüfung. Während eines Gesprächs im Innenministerium mit Staatssekretär Peter Altmaier hatten Dozenten aus mehreren Bundesländern am 6. Juli die desolate Situation in den Kursen und die schlechten Arbeitsbedingungen der Pädagogen dargestellt.

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